Start unserer Reise – Teil 2
Sonntag, 19.04.2026 – Weiterflug nach Leros
Um fünf Uhr geht der Wecker, um sechs werden wir von Aegean Airlines abgeholt und zum Flughafen gebracht. Wieder das schwere Gepäck schleppen, wieder einchecken, wieder durch die Security. Diesmal leider nicht ganz so unkompliziert. In Athen wird das Handgepäck ziemlich zerlegt und jedes Teil muss in eine einzelne Plastikschale. Da wir zunächst vermutlich gut 3 Monate unterwegs sein werden und das Boot noch mit einiger Technik ausstatten wollen, haben wir beide je zwei Laptops, Handys und mehrere Tablets dabei. Wolfi braucht somit 6 Plastikschalen, ich 7. Es ist ziemlich voll und das Ganze dauert gefühlt ewig. Wir hoffen nur, dass wir die gleiche Prozedur morgen nicht nochmal machen müssen, falls unser Flug erneut gecancelt wird. Noch dazu gehts mir nicht gut. Ich kriege schlecht Luft, schwitze und fühle mich wirklich elend. Ich hoffe ich werde nicht krank. Wolfi schleppt heldenhaft mein Gepäck und wir warten am Gate was passiert. Tatsächlich findet das Boarding pünktlich statt, wir steigen in die kleine Propeller Maschine und der Flug geht los. Die Maschine ist nur halb voll, die meisten Passagiere kennen sich inzwischen und ein wenig fühlt es sich fast wie eine kleine Familie an. 50 Minuten dauert der Flug über die griechischen Inseln, es gibt sogar Getränke und einen Snack und dann kommt die Insel Leros in Sicht. Der Landeanflug ist spektakulär und führt zwischen zwei Bergen hindurch. Die Maschine hüpft durch die Windböen wie ein bockiges Pferd. Gestern wären die Böen mehr als doppelt so stark gewesen. Ich hab echt keine Angst beim Fliegen, aber ich war nicht böse, dass der Flug gestern ausgefallen ist. Der Engländer Ralph meint nur: „There is not much room for a mistake!“ Dann sehen wir die sehr kurze Landebahn, die im Meer endet. Aber unser Pilot macht seinen Job super gut und wir betreten den Flughafen. Es gibt nur ein Mini – Gepäckband und so stehen wir schon schon snach kurzer Zeit draussen vor dem Gebäude.
Unser Boot steht direkt neben der Landebahn, aber zu Fuß wäre es, besonders mit unserem schweren Gepäck (ich erwähnte bereits den Pizza – Ofen, oder?), schon ein ordentliches Stück gewesen. Ralph und Gay haben einen Mietwagen und bieten an, uns zum Boot zu bringen. Dankbar nehmen wir an, als ein Flughafenarbeiter herauskommt und fragt, wer sein Handy im Flugzeug vergessen hat. Es war Ralph. Wie nett ist das denn?
Und dann sehe ich sie zum ersten Mal. Unsere „Lykos“ – noch heißt sie „Helios“ . Lykos ist griechisch und bedeutet „Wolf“. Ich weiss gar nicht was ich sagen soll. Eine gewiss betagte, alte Dame, aber unsere 34 Jahre alte Lady hat durchaus Charme. Ich schaue mich um und im Laufe des Tages fangen wir an auszumisten, aufzuräumen und auszupacken. Es gibt viel zu wenig Platz für viel zu viel Zeug. Der Vorbesitzer hat fast alles hier gelassen und wir müssen nun entschieden was wir behalten wollen und was nicht. Ausserdem sollten wir einkaufen und mieten uns dafür einen Roller.
Unser Boot steht auf dem Trockendock. Der ehemalige Eigner hat den Platz hier bis Mitte November bereits bezahlt und so haben wir genug Zeit die wichtigsten Arbeiten hier zu erledigen bevor es ins Wasser geht. Außerdem dürfen wir noch einmal ein- und auskranen, da wir das „stehende Gut“ (die Drahtseile die den Mast halten) bis nächstes Jahr austauschen müssen. Das wird von der Versicherung verlangt, da das stehende Gut nur maximal 20 Jahre alt sein darf.
Hier am Dock sind alle wirklich super nett. Es sind nur wenig andere Bootsbesitzer da, denn die Saison geht gerade erst los. Trotzdem kann man kaum über den Platz gehen (hier stehen über 300 Boote), ohne von irgendwem in ein langes Gespräch verwickelt zu werden. Wir wurden daheim oft gefragt, ob wir keine Angst hätten zu vereinsamen. Ich glaube das ist hier unser kleinstes Problem. Da heute unser erster Abend auf Leros ist, beschliessen wir mit dem Roller nach Lakki zum Essen zu fahren. Wolfi war im Februar schonmal ein paar Wochen hier und irgendwie scheint ihn jeder noch zu kennen. Auf der Insel gibt es keine großen Hotels und auch wenig Touristen, allerdings sehr viele Segler. Wir suchen uns ein Restaurant wo ich eine der besten Gyros Pita meines Lebens esse. Mit einem schönen Rotwein (das Ganze für 11 Euro!!!) lassen wir den ersten Tag ausklingen. Das erste Mal seit Monaten schlafe ich tief und fest und die ganze Nacht durch. Leider erinnere ich mich nicht ob und was ich geträumt habe, denn was man in der ersten Nacht im neuen Zuhause träumt soll ja angeblich in Erfüllung gehen….
