Die Bootssuche Teil 1 – Ein Rückblick
Eigentlich sollte es ein Katamaran werden….
Unser Wunsch war ursprünglich eine Privilège 435 zu erwerben. Dieser 43-Fuß-Segelkatamaran ist für uns die perfekteBlauwasseryacht: robust, sicher und durchaus komfortabel. Wer wochenlang fernab der Zivilisation auf hoher See leben möchte, macht bei Konstruktion und Ausstattung nur ungern viele Kompromisse. Wichtig ist ein extrem widerstandsfähiger Rumpf, ein tiefer Ballast für maximale Stabilität und ein spurtreuer Kiel, der bei schwerem Seegang dafür sorgt, dass das Schiff stabil geradeaus läuft und den Steueraufwand sowohl für den Skipper als auch für den Autopiloten massiv verringert. Dazu braucht es ein unkompliziert zu bedienendes Rigg (die Takelage, die die Segel trägt), das sich im Ernstfall auch einfach und blitzschnell reffen (Verkleinerung der Segelfläche) lässt. Große Tanks für Wasser und Diesel sind ebenso wichtig wie die volle Energie-Unabhängigkeit durch Solar, Wind- oder Hydrogeneratoren. Ein tiefes Cockpit mit guter Sprayhood schützt gegen Wind und Wellen. Auch auf GPS, AIS (Automatisches Identifikationssystem), Radar und Funk möchten wir nicht verzichten.
Auf genau so einer Privilège 435 durften wir 2022 in Panama mit segeln und haben uns absolut wohl und sichergefühlt. Da es unser Plan ist auf dem Boot zu leben, ist es uns wichtiger genug Platz zu haben als sehr sportlich zu segeln. Seit Corona haben sich die Bootspreise allerdings verdoppelt und uns wird ziemlich schnell klar, dass ein solches Boot vermutlich nicht in unserem Budget liegt. Aber angucken kostet ja (fast) nix.
Als Wolfi im Januar 2025 auf La Gomera eine Privilége 465 entdeckt, fliegt er kurz entschlossen dort hin um sie sich anzuschauen. Mit einer 12-seitigen akribisch ausgearbeiteten Bootskauf-Checkliste im Gepäck nimmt er den Flieger nach Teneriffa und dann gehts weiter mit der Fähre nach La Gomera. Der Verkäufer, ein relativ sympathischer Mann aus Deutschland, zeigt Wolfi das für uns eigentlich auch zu teure Boot. Die Größe und der Zustand des Bootes scheinen ganz ok zu sein, allerdings stellt sich heraus, dass die angeblich bezahlte Mehrwertsteuer wohl doch nicht gezahlt worden ist. Der handgeschriebene Zettel, der angeblich der Nachweis für die bezahlte Steuer, kommt Wolfi jedenfalls ziemlich „spanisch“ vor und damit meine ich nicht die Sprache. Ein Boot das nicht in der EU versteuert worden ist, muss, wenn der Käufer ein EU Bürger ist, nachträglich versteuert werden, wobei es hierbei um eine nicht ganz unerhebliche Summe handelt. Der Verkäufer versichert, dass es mit dem Zettel seine Richtigkeit hat und Wolfi sich keine Gedanken machen muss und so macht Wolfi ihm einen Vorschlag: Wenn er im Sommer mit uns bis nach Spanien segelt, uns so das Boot zeigt und mit dem Boot soweit alles ok ist, dann kauft er es ohne weiter zu verhandeln. „Neeeee!“ sagt der Verkäufer, „das geht nicht, denn dann müsse er das Boot ja in Spanien versteuern…!“ – Ja, genau!
Für den zweiten Versuch geht es im Februar 2025 nach Split. Genauer gesagt zuerst nach Zagreb, denn im Winter gibt es keine Flüge nach Split. Gut 5 Stunden dauert die Fahrt von Zagreb mit dem Mietwagen. Dort in der Marina wird der gleiche Katamaran für deutlich weniger Geld zum Kauf angeboten wie auf La Gomera. Schnell weiss Wolfi auch warum: Der Zustand des Bootes ist alles andere als ok. Das Holz an den Fenstern ist komplett morsch und zerfällt schon und das ganze Boot riecht muffig und stinkt nach Diesel. Offensichtlich ist der Tank in der Achterbilge undicht, was der Verkäufer mit der Aussage: „Das ist nur bei sehr starken Wellen ein Problem!“ versucht zu verharmlosen.